20181023
100 Jahre Heinrich Böll

Heinrich-Böll-Schule Fürth

Wir geben Zeit zur individuellen Entwicklung!

Kinder vor Nazi-Terror in Sicherheit gebracht

Vortrag über Kindertransporte im Dritten Reich an der Heinrich-Böll-Schule / Aufschlussreiche Präsentation

 

Ein schwarz-weiß Foto zeigt lachende Kinder und Jugendliche, die winkend an einer Reling stehen. Die Stimmung könnte nicht besser sein, doch der Schein trügt: Die Mädchen und Jungen nehmen Abschied von ihren Angehörigen, die sie vor dem Nazi-Terror in Sicherheit bringen lassen. Zwischen 1938 und 1939 wurden 15000 Kinder vor dem sicheren Tod bewahrt. Das Leben viele ihrer Eltern und Angehörigen endete hingegen in den Gaskammern der Konzentrationslager. Über das Thema „Kindertransporte“ referierte Lilly Maier an Heinrich-Böll-Schule: Morgens für die Zehntklässler der integrierten Gesamtschule, abends vor interessierten Eltern und Gästen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Referentin ist Doktorandin an der Universität in München. Dass sie den Weg nach Fürth fand, ist wiederum Theresa Möcke zu verdanken, die Lilly Maier aus gemeinsamen Studientagen kennt. Theresa Möcke wiederum ist an der Universität Heidelberg als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Die Auseinandersetzung mit dem Thema „Kindertransporte“ ist keinem Zufall geschuldet, sondern einer Begegnung mit einem österreichischen Juden. Lilly Maier lernte den Mann als elfjähriges Mädchen kennen. Er schilderte ihre seinen Lebensweg und weckte das Interesse für dieses Thema.

Die Zehntklässler hörten gespannt den Schilderungen der Referentin zu und spürten schnell die Bedeutung des Themas. Die Novemberpogrome gegen die jüdische Bevölkerung vom 9. auf den 10. November führten der Weltöffentlichkeit drastisch vor Augen, dass Juden in Deutschland schutzlos waren. Die zunehmend von Hass geprägte Stimmung gegenüber den Juden veranlasste Eltern dazu, ihre Kinder ins Ausland zu schicken.

Die meisten Jungen und Mädchen fanden in England eine Bleibe, da die englische Regierung und die Bevölkerung Großbritanniens einer Aufnahme zustimmten und finanzielle Mittel für die Ausreise bereitstellten. Rund 200 Kinder kamen nach Frankreich in ein Heim. Die in England einquartierten jungen Flüchtlinge wanderten später fast alle nach Amerika aus. Nur rund 40 Prozent der Angehörigen der Kinder überlebten den Holocaust überlebten.

Die Zehntklässler der Heinrich-Böll-Schule dankten der Referentin für die wichtigen Informationen und den fesselnden Vortrag mit langanhaltendem Beifall. Den Dank der Schulleitung übermittelte Stufenleiterin Astrid Schulze Icking, die auf die Wichtigkeit des Themas in der heutigen Zeit hin, in der rechtslastige Parolen keine Seltenheit mehr seien. Gerade jetzt, so die Stufenleiterin, gelte es, Schüler für diese Kapitel der deutschen Geschichte zu sensibilisieren. Schulpfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann – sie hatte die Veranstaltung organisiert und gemeinsam mit Lehrerin Stephanie Gabel im Unterricht vorbereitet – schloss sich den Dankesworten an Lilly Maier an.