20181218
100 Jahre Heinrich Böll

Heinrich-Böll-Schule Fürth

Wir geben Zeit zur individuellen Entwicklung!

Im Spiel den Ernst des Lebens gespürt

Rollstuhlbasketballer Sebastian Arnold zu Gast an der Heinrich-Böll-Schule / Sport einmal anders


Ein Blick genügt, um zu sehen, dass den Schülern der Sportunterricht enorm viel Spaß bereitet. Spielen sie etwa Fußball, Handball oder Hockey? Keine der traditionellen und überaus beliebten Sportarten stehen auf dem Programm. Drei Klassen der Heinrich-Böll-Schule erleben Sportstunden der ganz anderen Art: Die Schüler sitzen in Rollstühlen und erlernen unter Anleitung des Bundesligaspielers Sebastian Arnold den Umgang mit dem ungewöhnlichen Sportgerät und dem bekannten Basketball. Doch eigentlich ist der sportliche Aspekt zweitrangig: Die Kinder und Jugendlichen spüren an diesem Tag auf spielerische Weise den Ernst des Lebens.

Wie kam es zum Besuch des querschnittsgelähmten Sportlers? Seit Beginn des neuen Schuljahres gehört die Sport- und Deutschlehrerin Lara Herbert zum Kollegium der integrierten Gesamtschule. Die junge Pädagogin zählt zu einer ganzen Reihe neuer Lehrer an der Heinrich-Böll-Schule, die mit ihren Initiativen, Projekten und Ideen das Schulleben bereichern.

Sportlehrerin Herbert behandelte im Unterricht mit ihrer zehnten Klasse das Thema „Gesundheit und Fitness“, dabei erinnerte sie sich an die eigene Schulzeit und ihre Begegnung mit dem Rollstuhlbasketballer Sebastian Arnold. Über die Unfallkrankenkasse Hessen stellte sie den Kontakt mit Arnold her und organisierte seinen Besuch. „Es ist wichtig, dass die Schüler Gesundheit aus einer anderen Perspektive betrachten“, beschreibt Lara Herbert die Intention des Projektes.

Bevor die Schüler in den speziell für den Basketballsport konstruierten Rollstühlen Platz nahmen, arbeiteten sie mit Sebastian Arnold die markanten Unterschiede zwischen einem alltagstauglichen Rollstuhl und den Sportgeräten heraus. Bevor die Schüler ein Spiel austragen konnten, gab’s viele Kniffe und Tricks im Umgang mit Rollstuhl und Ball zu lernen, angefangen vom „simplen“ Geradeausfahren, dem blitzschnellen Wenden bis hin zum Rückwärtsfahren.

Apropos Rückwärtsfahren: Zur Gaudi der Schüler geriet diese Übung bei den meisten zur Slapsticktour. Statt eine gerade Linie einzuhalten, vollführten sie Schlangenlinien oder drehten sich im Kreis. Dass Übung den Meister macht, zeigte sich schnell: Je länger die Schüler in den Rollstühlen saßen und sich mit dem Gerät vertraut machten, desto zielgenauer wurden ihre Fahrten. Dann kam noch der Ball ins Spiel. In eleganter Form zeigte Sebastian Arnold, wie ein Basketball in voller Fahrt vom Boden aufgenommen wird.

Nach weiteren interessanten Übungen teilte der Bundesligaspieler dann Teams ein, die gegeneinander spielten. Die jeweiligen Doppelstunden vergingen wie im Flug. Gerne hätten die Schüler noch weiter Rollstuhlbasketball gespielt. Am Ende stand Sebastian Arnold allen Teilnehmern Rede und Antwort. Dabei spürten die Schüler, dass dieser Sport einen sehr ernsten Hintergrund hat, nämlich eine für die Betroffenen extreme Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit. Sebastian Arnold erlitt die Querschnittslähmung vor 20 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Statt zu resignieren und mit dem Schicksal zu hadern, suchte er sich ein neues Betätigungsfeld, das er im Rollstuhlbasketball fand. Seit 17 Jahren betreibt er diesen Sport mit Begeisterung.

Sportlehrerin Lara Herbert und Stufenleiterin Astrid Schulze Icking dankten Sebastian Arnold für seinen Besuch und die sehr aufschlussreichen Sportstunden. Die drei Klassen – eine sechste, siebte und zehnte Klasse – bekundeten ihren Dank mit herzlichem Applaus. Der Rollstuhlbasketballer selbst lobte die Kinder und Jugendlichen für ihre disziplinierte Teilnahme und das große Interesse. Er habe, so sein abschließendes Fazit, „sehr nette Schüler an einer Schule mit positiver Atmosphäre kennengelernt“.






























ROLLSTUHLBASKETBALL. Sportlehrerin Lara Herbert (rechts) hatte einen Sporttag mit dem Rollstuhlbasketballer Sebastian Arnold (Mitte) organisiert. Stufenleiterin Astrid Schulze Icking (3.v.r.) dankte Arnold für sein Kommen.