20190614
100 Jahre Heinrich Böll

Heinrich-Böll-Schule Fürth

Wir geben Zeit zur individuellen Entwicklung!

Wenn ein Schleudern im Verkehr zum Drama führt

Präventionsprojekt für die Zehntklässler an der Heinrich-Böll-Schule / Sicherheit im Straßenverkehr

Ein ungewöhnliches Bild auf dem Schulhof der Heinrich-Böll-Schule: Eine größere Gruppe uniformierter Polizisten geht in die Mensa. Sie haben dort – zusammen mit Vertretern der Notfallseelsorge, der Sucht- und Drogenberatung Prisma, dem Pflegedienst Odenwald und der Feuerwehr Fürth – einen besonderen „Einsatz“. Gemeinsam leiten sie das Präventionsprojekt „SchleuderDrama“. Ziel ist es, die Zehntklässler der integrierten Gesamtschule für das Thema „Sicherheit im Straßenverkehr und Zivilcourage“ zu sensibilisieren.

In der Mensa war alles für den Einstiegsvortrag vorbereitet. Gut sichtbar für die Jugendlichen hing ein überdimensionierter Luftballon von der Decke herab. Im Innern des Ballons befanden sich Zettel, auf denen die Zehntklässler im Vorfeld der Veranstaltung ihre Wünsche und Träume aufgeschrieben hatten. Peter Hoffmann von der Polizeidirektion Heppenheim ging auf diese Notizen ein. An oberster Stelle der Wunschliste stünden, so Hoffmann ausführend, Gesundheit für sich und die Familie, einen guten Beruf und eine glückliche Partnerschaft.

Dass dieser Ballon mit den Träumen und Wünschen leicht platzen kann, darauf kam Hoffmann in der Folge zu sprechen. In einem kurzen Film wurden verschiedene Unfallgeschichten vorgestellt. Unterlegt waren die Filmsequenzen mit sehr emotionaler Musik, um die Darstellungen noch intensiver werden zu lassen. Schnell wurde den Jugendlichen klar, dass ein Unfall im Handumdrehen das Leben eines oder mehrerer Menschen entscheidend verändern kann. Sogar hartgesottene Schüler gerieten ins Grübeln, als Peter Hoffmann zu einer Schweigeminute für die Todesopfer im Straßenverkehr aufforderte.

Nicht minder bedrückend waren die Schilderungen der Beamten von Erlebnissen bei Unfallgeschehen. Dabei machten die Beamten deutlich, dass auch sie nur Menschen seien, denen die Folgen einen schweren Crash an die Nieren gehen. Für die Polizisten ist es besonders schlimm, Angehörigen eine Todesnachricht überbringen zu müssen. „Auch wir müssen solche Erlebnisse verarbeiten“, erklärte Hoffmann. Hilfreich ist in solchen Momenten die Notfallseelsorge, die sich um Helfer, Beteiligte und Angehörige gleichermaßen kümmert. Bevor die Workshops in Klassenräumen begannen, skizzierten die Beamten und Einsatzkräfte eine komplette Rettungskette im Falle eines Verkehrsunfalls.

Die Polizeibeamten Bettina Noll und Frank Dingeldey setzten sich in ihren Gruppen mit der Arbeit der Polizei an der Unfallstelle auseinander. Sie gingen auf konkrete Fälle ein und informierten die Schüler über ein korrektes Verhalten. Den Umgang mit Verletzten erörterte Dominik Bormuth von der Feuerwehr Fürth. Er informierte die Schüler auch darüber, welche Maßnahmen die Wehren ergreifen, wenn Personen in einem Fahrzeug eingeklemmt sind. Anhand einer Demonstration machte er die Arbeit der Helfer anschaulich deutlich.

Über die Arbeit mit Komapatienten berichtete Jörg Meinhof vom Pflegedienst Odenwald. Man könne, erklärte Meinhof den Schülern mit Nachdruck, auf vieles verzichten, jedoch nicht auf das Gehirn. Gerade bei Verkehrsunfällen kommt es nicht selten zu Schädelhirnverletzungen, die leider auch oftmals auch langfristige Konsequenzen für den Betroffenen haben.

Expertengespräche kamen im Workshop von Polizist Jörn Metzler auf, der sich mit den Jugendlichen über den Umgang mit motorisierten Zweirädern unterhielt. Dass dabei das Thema „Tuning“ zwangsläufig aufs Tapet kam, war klar. Mit wenigen Handgriffen und kleinen Bauteilen lässt sich eine Maschine leicht „frisieren“. Die schnellen Zweiräder sind für hohe Geschwindigkeiten nicht konzipiert. Nicht selten kommt es zu schweren Unfällen, weil die Fahrer ihre Mopeds nicht beherrschen können.

In diesem Zusammenhang ist auch der Missbrauch von Drogen und Alkohol zu nennen, auf den Oliver Bienek von der Polizei einging. Unterstützung bekam er dabei von Nikita Girard von der Sucht- und Drogenberatung Prisma und Sandra Vollhardt, die ebenfalls einen Workshop leitete.

Für die Polizei sind es alltägliche Fälle: Jugendliche gehen auf Partys, trinken Alkohol und setzen nachts gedankenlos auf das motorisierte Zweirad oder ins Auto. Die Folge ist absehbar: Es kommt zu einem Unfall. Oliver Bienek informierte die Zehntklässler über Alkohol- und Drogentests und die Konsequenzen bei einem Vergehen. Nikita Girard wiederum händigte den Schülern sogenannte Rauschbrillen aus,  die eine Alkoholisierung suggerieren. Sandra Vollhardt, die heute Präventionscoach ist, machte keinen Hehl daraus, dass sie früher selbst drogenabhängig war. Ihre Schilderungen beeindruckten die Jugendlichen umso mehr.

Wie gehen Angehörige mit der Nachricht vom Tod eines Verwandten um? Was können Jugendliche tun, wenn sie vom Tod eines Freundes hören? Auf diese und ähnliche Fragen ging Uta Voll von der Notfallseelsorge ein. Alle Referenten erörterten auch das Thema „Zivilcourage“, die sich darin manifestiert, wenn Jugendliche nicht in ein Fahrzeug einsteigen, wenn der Fahrer alkoholisiert ist. Oder wenn sie den Fahrer nachdrücklich darauf aufmerksam machen, die vorgegebene Geschwindigkeit einzuhalten.

Schulleiter Alexander Hauptmann dankte den Referenten für ihr Kommen und hob in seinen Grußworten die Bedeutung des Themas hervor. Die Zehntklässler seien aktive Teilnehmer im Straßenverkehr, der viele Gefahren berge. Das Präventionsprojekt diene dazu, sie für ein korrektes Verhalten zu sensibilisieren. Der Dank des Schulleiters galt auch der Lehrerin Christina Hantke, die den Präventionstag organisierte.